zeltlagerverein "unsere welt" e.v.

PRESSEINFORMATION

40 Jahre Falken-Zeltlagerplatz Nieblum

Über zweihundert ehemalige und heutige Helfer feierten bei strahlendem Sonnenschein ein großes Jubiläum

Vor vierzig Jahren führte der Zeltlagerverein "unsere Welt" der Hamburger Falken das erste Zeltlager auf der nordfriesischen Insel Föhr durch. Insgesamt gut 73.000 Kinder und Jugendliche aus dem In- und Ausland verbrachten in den letzten vierzig Jahren einen Teil ihrer Ferien in der Zeltstadt. Etwa achthundert "Beleger" auf dem 30.000 qm großen Platz verdoppeln seit 1963 jeden Sommer die Bevölkerungszahl der Gemeinde Nieblum. Heute wie damals sorgen ausschließlich ehrenamtliche Mitarbeiter auf dem Platz dafür, dass es vier Mahlzeiten am Tag gibt, dass die Waschräume immer sauber sind und die vielen Zelte rechtzeitig auf- und abgebaut werden. Zum Jubiläum hat der Zeltlagerverein die ehemaligen Hamburger Helfer aus der Gründerzeit des Platzes sowie Vertreter der Gemeinden, der Föhrer SPD und der Falken zum gemeinsamen Feiern eingeladen.

Als der Bus aus Hamburg am Samstag auf den Platz rollte, wurden die 102 "Ehemaligen" von den 79 derzeitigen Mitarbeitern und deren Kindern lautstark mit einem selbstverfassten Lied begrüßt. Bei strahlendem Sonnenschein machte man sich erst einmal auf, den Platz zu begutachten, auf dem sich seit 1963 so viel verändert hat. Angesichts des 1965 gebauten und in den letzten Jahren erweiterte Wasch- und Toilettenhauses kamen wehmütige Erinnerungen an die Zeltlatrinen des ersten Lagerjahres auf. "Dort war es immer so gesellig" schmunzelt Heiner Schultz, der in den sechziger Jahren regelmäßig als Leiter von Falkengruppen auf dem Platz war. Viel Bewunderung fand die 1996 umgebaute moderne Küche, in der dreimal täglich um die 550 warme und kalte Mahlzeiten zubereitet werden. Vor vierzig Jahren kochte Anne Rix noch in einer alten Lagerbaracke. "Wir mussten damals viel improvisieren, aber das hat die Gruppen zusammengeschweißt" erinnert sich die Köchin der ersten Stunde. Die Männer kamen oft nur am Wochenende, weil sie nicht so viel Urlaub hatten. "Wir nannten die Freitagabend-Fähre immer den ´Bullendampfer´, weil sie die Ehemänner aus Hamburg brachte", berichten die Frauen. Viele Paare hatten sich bei den Falken kennen gelernt und 1967 konnte auf dem Platz sogar eine Verlobung gefeiert werden.

Als 1965 Küche und Waschhaus gebaut wurden, war wieder Eigeninitiative gefragt. Um die Baukosten niedrig zu halten, kamen über Monate Hamburger Falken wie Klaus Biesterfeldt, Peter Rühlemann und Helmut Riedel an den Wochenenden gleich nach Büroschluss auf die Insel um zwei Tage lang Zement zu rühren, Steine zu schleppen und Gruben auszuheben. "Am Montag saßen wir dann todmüde wieder auf unseren Bürostühlen" erinnert sich Klaus Biesterfeldt. In den folgenden Jahren wurden für Erweiterungsbauten und Modernisierungen - zuletzt die vor drei Jahren installierte Solaranlage - Millionen aufgewendet. Die Aufträge für diese Maßnahmen gingen fast ausschließlich an Firmen auf der Insel. Für die Finanzierung waren neben öffentlichen Mitteln und Zuschüssen der Stiftung Deutsche Jugendmarke beträchtliche Eigenmittel aufzubringen. Dazu die Vorsitzende des Zeltlagervereins Heike Langneff, "dass wir diese Mittel bei erschwinglichen Tagessätzen für unsere kleinen Gäste erwirtschaften konnten, verdanken wir den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit wesentlich dazu beigetragen haben, dass wir die Kosten niedrig halten konnten." So galt auf der Feier der Dank des Vorstands auch den heutigen Mitarbeitern, von denen viele damals schon als Kinder auf dem Platz waren und jetzt mit ihren eigenen Familien zum Helfen kommen. Heike Langneff ließ noch einmal die wechselvolle Geschichte des Zeltlagerplatzes Revue passieren, unterstützt von einer eindrucksvollen Bildershow. Dabei würdigte sie auch die Arbeit des 1998 verstorbenen Hermann Echtermeyers. Der Gründer des Zeltlagervereines, hatte für seinen unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz in der Jugendarbeit 1989 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen. Nieblums Bürgermeister Jürgen Sievers machte deutlich, dass sich das in den letzten Jahrzehnten nicht immer unproblematische Verhältnis zwischen dem Zeltlagerverein und der Gemeinde Nieblum in den letzten Jahren sehr zum Positiven gewendet hat. Der Zeltlagerplatz sei eine bessere Werbung für Nieblum als jede "klassische Reklame". Besiegelt wurde diese Vertrauensbekundung durch die Überreichung der Nieblumflagge , die ab sofort neben dem Falken- und dem Nordfriesland-Banner auf dem Platz wehen wird. Der Vorsteher des Amtes Föhr-Land Walter Jacobsen bedankte sich "op platt" und mit einem Scheck für die gute Zusammenarbeit, von der auch sein Arbeitgeber, die Wyker Dampfschiff-Reederei (WDR), mit ihren Ausflugsfahrten profitiert. Der Bundesvorsitzende der Falken Veit Dieterich war extra aus Bonn angereist, um in seiner Rede vor allem die vorbildliche Jugendarbeit des Vereins zu würdigen.

Nach Kaffee, Friesentorte und Fischbrötchen ging für alle Teilnehmer ein schöner und erinnungsreicher Tag mit vielen Bildern und Gesprächen zu Ende. Die Helfer von gestern waren beeindruckt von dem Fortschritt, den der Platz in den letzten vierzig Jahren gemacht hat. Die Helfer von heute waren überrascht, wie viele Erlebnisse von früher sich heute wiederholen, zum Beispiel, wenn in stürmischen Nächten alle auf den Beinen sind, um die Zelte vor dem Wegfliegen zu retten.

Nieblum, 20.07.03/gwi