Doch bald gab es eine zweite Hürde. Die Hamburger Baubehörde und die Jugendbehörde
hatten durch die Verwendung öffentlicher Mittel ein Mitspracherecht bei allen
Baumaßnahmen. Die erste Einschränkung war eine Einengung im sanitären Bereich
durch die Baubehörde. Unsere Vorstellungen für den Umfang der sanitären Anlagen auf
Grund unserer Erfahrungen wurden nicht anerkannt. Die Schlüsselzahlen für die Hamburger
Schulen wurden als Maßstab angelegt, die weit unter dem notwendigen Bedarf lagen. Unser
Einspruch hatte keinen Erfolg.
Küchenarbeit unterfreiem Himmel, 1966
Aber Überlegungen nach Abhilfe wurden sehr schnell angestellt. Es waren alles provisorische
Maßnahmen, um einigermaßen zumutbare Arbeitsplätze für die ehrenamtlichen
Mitarbeiter zu bekommen. Mit losen Zeltplanen war kein Wetterschutz zu schaffen. Die Beratung
in der Arbeitsgruppe ergab: Ein stabiler Anbau vor der Küche ist unverzichtbar, um
einigermaßen brauchbare Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Ein Anbau wurde beschlossen
für alle zusätzlichen Arbeiten in der Küche.
Wie so oft hat uns der Zufall geholfen. Die Hamburger Hochbahn hat Straßenbahnen aus dem
Verkehr gezogen und demontiert. Die einbruchssicheren Fenster konnten wir bekommen. Im
Frühjahr 1966 haben die Mauerleute den Unterbau erstellt. In Hamburg wurden die Holzarbeiten
für Fensterrahmen und Dach vorbereitet. Wenig später konnte die Montage beginnen,
alles mit ehrenamtlichen Kräften im Eigenbau ohne große behördliche Probleme.
Die Gemeinde Nieblum duldete den sehr notwendigen Anbau. Noch fehlten die Lagerräume
für die eingekauften Waren und Platz für die Kühleinrichtungen, aber mit dem
festen Anbau konnte die Küche gut arbeiten. Eine schlechte Beurteilung der Behörde
war beseitigt
Das andere Problem, die nicht ausreichenden Plätze im sanitären Bereich, waren nicht
so leicht zu ändern. Damit mußten wir noch auskommen.
Das nächste Ziel mußte der zweite Bauabschnitt mit der Mehrzweckhalle sein. Die
Witterungsverhältnisse an der See machten ein großes Haus mit vielseitigen
Möglichkeiten erforderlich.
Neben der Halle mit 240 m² war ein Kiosk geplant und je vier Duschen und Toiletten für
die Mitarbeiter.
Für den Bau der Halle waren 750.000 DM erforderlich. Ein Drittel mußte durch Eigenmittel
aufgebracht werden. Sparsam wirtschaften war angesagt.
Im Sommer 1971 konnte der Bauantrag gestellt werden, die Finanzierung war gesichert, die
Baupläne fertig. Jetzt sind es die Gemeinde Nieblum und der Landkreis Nordfriesland, die
uns erst nach sechs Monaten am 22.12.71 als Weihnachtsgeschenk einen Ablehnungsbescheid erteilen.
Auch unser Widerspruch vom Januar 1972 wird erst nach zehn Monaten ablehnend beschieden. Da
blieb nur die Klage vor den Verwaltungsgericht in Schleswig vom 5.11.72, um vielleicht doch
noch die Baugenehmigung zu erhalten.
Vor der Entscheidung des Verwaltungsgerichts um Dezember 1973 fand im April 1973 eine
Ortsbesichtigung des Gerichts auf dem Zeltlagerplatz in Nieblum statt. Von diesem Termin
gibt es ein Protokoll des Gerichts, in dem eine für die damalige Situation typische
Aussage des derzeitigen Bürgermeisters Broder Jensen festgehalten ist. Es heißt dort:
"Nach Angaben von Bürgermeister Jensen ist es der Wunsch der Gemeinde Nieblum,
daß das Jugendzeltlager an dieser Stelle nicht mehr betrieben wird und daß die
vorhandenen Gebäude verschwinden ".
Das Gericht hat diesem Wunsch nicht entsprochen. Nach einer lebhaften Verhandlung am 10.12.1973
in Schleswig, bei der wir auf ein geplantes erstes Stockwerk verzichteten, hat das Gericht ein
Urteil gefällt, das uns den Bau der Mehrzweckhalle möglich machte.
Die Ausschreibung war vorbereitet, nach Abschluß der Belegung konnten die Arbeiten beginnen.
Schon im Oktober 1974 war Grundsteinlegung und ein Jahr später Richtfest. Mitte Juli 1976
konnten wir die Halle in Betrieb nehmen.
Der zweite Bauabschnitt, die Mehrzweckhalle, hat alle Eigenmittel in Anspruch genommen, das
Festgeldkonto war klein geworden, aber die vielen Aufgaben, die nicht aufzuschieben waren,
kosteten Geld.

Dank der Ölkrise 1974 gingen die Preise hoch, sparen war angesagt. Die Lieferanten
für Propangas machten gute Angebote. Umstellung von Heizöl auf Propangas war eine
sinnvolle Maßnahme, weil eine Umstellung den Heizöltank im Keller überflüssig
machte und eine auch lange geplante Einrichtung von Kühl- und Tiefkühlanlagen
möglich war. Das ist alles schnell zu Papier gebracht, war aber mit viel Arbeit und Geld
verbunden. Wenig später hat der Heizkessel nicht mehr mitgemacht und auch die Kochkessel
mußten ersetzt werden. Das wurde alles in den drei Jahren nach dem Bau der Halle
durchgezogen, zum Teil mit der Hilfe öffentlicher Mittel; aus Eigenmitte]n war das
nicht zu schaffen.
Mit der Zeit wurde der Engpaß in den sanitären Anlagen unangenehm. Das war das
nächste Objekt. Eine neue Dusche, ein Waschraum und zehn Toiletten wurden gebaut.
Gleichzeitig wurde die Abwaschanlage erweitert und modernisiert. Die Beleger waren uns dankbar.
Mit dem Anbau am Toilettenhaus wurden auch alle Anlagen überholt und mit neuen Türen
versehen. Es fehlte nur ein Wetterschutz, eine Überdachung
vor dem Haus. Das war nicht nur Wetterschutz für die Beleger, sondern auch ein Schutz
für die neuen Türen, und es ist ein gutes Bild, das Haus anzusehen.
Unsere Hoffnung, nun mit allen Änderungen und Verbesserungen durch zu sein, ging nicht auf.
In den Jahren 1984 bis 1985 gab es die große Überraschung vom Zeltgerätelager
der Behörde. Seit 1946 war es möglich, für das Zeltlager Material zu mieten. Jedes
Jahr die Beladung in Osdorf und das Ausladen in Nieblum, eine starke Belastung, aber von den
Kosten tragbar. Die jährliche Miete der Zelte und des Zubehörs machte ca. 3.000 DM,
der Transport lag bei der gleichen Summe. Diese Beträge waren fester Bestandteil der
Kalkulation.
Der Hamburger Rechnungshof hatte angeregt, alle Kosten des Zeltgerätelagers auf die
Mietgebühr umzulegen. Unsere Rechnung stieg um das Zehnfache auf 30.000 DM. Alle Versuche,
eine geringere Berechnung zu bekommen, wurden abgewiesen.
Was war zu tun? 30.000 DM Zeltmiete, dafür konnten zehn Zelte neu beschafft werden.
Die Argumente für einen eigenen Zeltbestand wurden sorgsam geprüft. Nicht mehr
nötig wären die Transportkosten, dafür müßte das Zeltmaterial
am Platz gepflegt werden. Dann wurden die Kosten mit 255.000 DM berechnet. Lange und
gründlich wurde beraten, die finanziellen Mittel lagen bereit. Der Beschluß
Ende 1985: Es werden 75 Doppelzelte und 12 Großzelte für einen eigenen
Zeltbestand bestellt.
Die Belegung 1986 konnte kommen, die neuen Zelte lagen bereit. Diese Entscheidung hat sich
als gut erwiesen, wenn auch das Material sehr gepflegt werden mußte. Wieder war der
Umbau des Küchengebäudes zurückgestellt, das Eigengeld war alle.
In der Belegung machte sich bald ein deutlicher Wandel bemerkbar. Immer häufiger wurde
der Wunsch nach Selbstversorgung auch für kleinere Gruppen bemerkbar. Die Debatte um
eine zweite Küche für die Selbstversorger war da. Aber wie und wo und wer kann
das bezahlen. Wir mußten, um eine gute Belegung zu erhalten, die Selbstkocherküche
bauen, und wenn, dann mit guter Ausstattung.
Jetzt waren wir finanziell wieder ganz unten. Da kam das Gerücht auf, die Insel Föhr
soll mit Erdgas versorgt werden. Dieses Gerücht wurde bald durch das Unternehmen
Schleswag bestätigt. Sofort hat der Verein sein Interesse an der Versorgung mit Erdgas
angemeldet. Der Betrieb war billiger, wir brauchten nicht mehr um rechtzeitigen Nachschub
besorgt zu sein, und wir wurden die beiden großen Transportbehälter los. die
einem Umbau im Weg standen.
Die ganze Zeitrechnung für die Planung des neuen Hauses war vom Termin mit der Versorgung
mit Erdgas bestimmt. In den Plänen der Schleswag war Nieblum und damit der Zeltlagerplatz
fast Schlußlicht für den Anschluß an das Erdgasnetz.
Im Sommer 1996 waren die Propangasbehälter nicht mehr notwendig. Die alten Pläne
für den Umbau des Hauses konnten Wirklichkeit werden. Ein besonderer Umstand
drängte zur Eile. Die Dachkonstruktion des Küchengebäudes war nicht mehr
reparabel. Alle Maßnahmen für das neue Haus wurden getroffen, die Baupläne
mußten vorlagereif für das Bauamt gemacht werden. Die Anträge für die
Finanzierung aus den Mitteln der Jugendbriefmarke und die Mittel aus Hamburg beantragt werden.
Schon am 11. April 1997 konnte das Richtfest stattfinden. Ein stürmischer Tag, die
Hamburger Gäste konnten nicht pünktlich sein. Die Fähre mit dem Gästebus
konnte nicht an den Anleger in Wyk. So begann die Richtfeier ohne die Gäste aus Hamburg;
für sie wurde der Richtspruch später in der Mehrzweckhalle nachgeholt, das ist sicher
einmalig.
Jetzt steht das Haus als vorbildliche Anlage für einen Zeltlagerplatz zur Freude aller
ehrenamtlichen Mitarbeiter, die dort wirken dürfen
Das große "Danke schön" gilt allen Kräften, die in irgendeiner Form
ihren Beitrag geleistet haben, den Planern, den Bauleuten, den Stellen, die die Finanzierung
möglich machten, allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und der Führung des
Zeltlagervereins "unsere welt", der mit dem Platz dem sozialistischen Jugendverband
ein großes Geschenk gemacht hat.
