Der lange Weg zum neuen Haus

Hermann Echtermeyer, der Ehrenvorsitzende des Zeltlagervereins "unsere welt" e.v., erinnert sich

Der Zeltlagerplatz "unsere welt" in Nieblum/Föhr hat ein neues Gesicht bekommen. Es ist wenig geblieben von dem 1965 in Betrieb genommenen Küchengebäude. Lange hat es gedauert, bis die Erfahrungswerte in der Zeltlagerarbeit aus der Zeltlagertradition der Hamburger Falken voll umgesetzt werden konnten.

Das erste Zeltlager der Hamburger Falken nach dem Wiederaufbau der Organisation war 1947 im Park von Hohenbuchen im Hamburger Alstertal. In drei Durchgängen von je vierzehn Tagen waren jedesmal über 700 Teilnehmer dabei. Der gute Start war Verpflichtung, auf diesem Wege weiterzumachen. Aber schon für das nächste Jahr kam die große Bremse; die Währungsreform im Sommer 1948 machte alle Pläne kaputt, es langte nur für ein bescheidenes Zeltlager mit ca. 300 Teilnehmern. Erst nach der Währungsreform konnten wir für 1949 wieder eine bessere Planung machen und eine Beständigkeit auch für die nächsten Jahre sichern. Zwei Dinge wurden fester Bestandteil, die Teilnehmerzahl bei ca. 750 und ein jährlicher Wechsel zwischen einem Zeltlager im Binnenland und an der See.

Der jährlich wechselnde Zeltlagerplatz brachte immer neue Erkenntnisse, was zu einem vollkommenen Zeltlagerplatz gehört. Diese Erfahrungen, ob für das Gelände oder für die allgemeine Ausstattung, wurden sorgsam gesammelt, um für den geplanten eigenen Zeltlagerplatz an der See vorbereitet zu sein.

Im Herbst 1962 war es soweit. Durch eine Kleinanzeige im Hamburger Abendblatt wurden wir auf Nieblum/Föhr hingewiesen. Ein Grundstück, für Kindererholung geeignet, wurde angeboten. Die Reise nach Föhr hat sich gelohnt. Das erste Angebot war ungeeignet, aber unser Interesse am Geländekauf ergab viele Angebote. Die Wiese am Medsweg unmittelbar an der Nordsee und nicht zu nahe am Ort sehen und freudig ja sagen. Der ideale Platz war gefunden.

Als auch dann noch im Januar 1963 ein Vertrag mit der Gemeinde Nieblum über die Nutzung des Geländes als Zeltlagerplatz abgeschlossen war, gab es nur eine Aufgabe. Noch 1963 findet in Nieblum auf der grünen Wiese das erste Zeltlager statt. Daß alle Anlagen in Zelten untergebracht waren, störte uns nicht. Wir waren darin nicht unerfahren.

Im ersten Zeltlager auf Nieblum wurden die notwendigen Häuser geplant, was gehört wohin, die Vorbereitungen für die Ausschreibung gemacht, denn die Mittel für die geplanten Häuser waren bewilligt.

Zunächst mußten alle Auflagen des Bauamtes geprüft werden, bevor die Standorte für die Häuser festgelegt werden konnten. Gebaut werden durfte nur, wo das Gelände fünf Meter über NN lag; das war das obere Drittel des Platzes.

Ein Haus mit der Küche, der Verwaltung und dem Sanitätsbereich in der Nähe des Eingangs. Das zweite Haus mit allen sanitären Anlagen, Toiletten, Waschräumen, Duschen hart an der Fünf-Meter-Grenze. Aber auch ein zweiter Bauabschnitt mit einer Mehrzweckhalle war von Beginn in der Planung und in den zeichnerischen Unterlagen ausgewiesen.

Die alte Küche im Bau Doch bald gab es eine zweite Hürde. Die Hamburger Baubehörde und die Jugendbehörde hatten durch die Verwendung öffentlicher Mittel ein Mitspracherecht bei allen Baumaßnahmen. Die erste Einschränkung war eine Einengung im sanitären Bereich durch die Baubehörde. Unsere Vorstellungen für den Umfang der sanitären Anlagen auf Grund unserer Erfahrungen wurden nicht anerkannt. Die Schlüsselzahlen für die Hamburger Schulen wurden als Maßstab angelegt, die weit unter dem notwendigen Bedarf lagen. Unser Einspruch hatte keinen Erfolg.

Die zweite Einschränkung war sehr viel unangenehmer. Für den Küchenbereich war der Platz für alle notwendigen Arbeiten und Lagerungen geplant. Es war nicht nur die Küche mit Kochkesseln und Pfannen erforderlich, auch Raum für Lagerung und Reinigung der Essentransportgefäße und Küchenmaschinen waren nötig.

Die Jugendbehörde hatte einige Mitarbeiter, die für die Behörde Zeltlager mit bis zu 200 Personen durchführten, mit der Begutachtung unserer Raumpläne für die Küche beauftragt. Das Ergebnis war unmöglich, keine Trennwand zwischen kalter und warmer Küche. Für die Nebenaufgaben der Küche, Lagerung und Reinigung der Essenthermen könnten Zelte vor der Küche aufgestellt werden. Nach dieser Begutachtung wurden die Raumpläne für die Küche um sieben auf ca. 43 m2 verkleinert. Mit diesem unverständlichen Eingriff mußten wir den Küchenbetrieb 1965 aufnehmen.

Küchenarbeit unter freiem HimmelKüchenarbeit unterfreiem Himmel, 1966 Aber Überlegungen nach Abhilfe wurden sehr schnell angestellt. Es waren alles provisorische Maßnahmen, um einigermaßen zumutbare Arbeitsplätze für die ehrenamtlichen Mitarbeiter zu bekommen. Mit losen Zeltplanen war kein Wetterschutz zu schaffen. Die Beratung in der Arbeitsgruppe ergab: Ein stabiler Anbau vor der Küche ist unverzichtbar, um einigermaßen brauchbare Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Ein Anbau wurde beschlossen für alle zusätzlichen Arbeiten in der Küche.

Wie so oft hat uns der Zufall geholfen. Die Hamburger Hochbahn hat Straßenbahnen aus dem Verkehr gezogen und demontiert. Die einbruchssicheren Fenster konnten wir bekommen. Im Frühjahr 1966 haben die Mauerleute den Unterbau erstellt. In Hamburg wurden die Holzarbeiten für Fensterrahmen und Dach vorbereitet. Wenig später konnte die Montage beginnen, alles mit ehrenamtlichen Kräften im Eigenbau ohne große behördliche Probleme. Die Gemeinde Nieblum duldete den sehr notwendigen Anbau. Noch fehlten die Lagerräume für die eingekauften Waren und Platz für die Kühleinrichtungen, aber mit dem festen Anbau konnte die Küche gut arbeiten. Eine schlechte Beurteilung der Behörde war beseitigt

Das andere Problem, die nicht ausreichenden Plätze im sanitären Bereich, waren nicht so leicht zu ändern. Damit mußten wir noch auskommen.

Das nächste Ziel mußte der zweite Bauabschnitt mit der Mehrzweckhalle sein. Die Witterungsverhältnisse an der See machten ein großes Haus mit vielseitigen Möglichkeiten erforderlich.

Neben der Halle mit 240 m² war ein Kiosk geplant und je vier Duschen und Toiletten für die Mitarbeiter.

Für den Bau der Halle waren 750.000 DM erforderlich. Ein Drittel mußte durch Eigenmittel aufgebracht werden. Sparsam wirtschaften war angesagt.

Im Sommer 1971 konnte der Bauantrag gestellt werden, die Finanzierung war gesichert, die Baupläne fertig. Jetzt sind es die Gemeinde Nieblum und der Landkreis Nordfriesland, die uns erst nach sechs Monaten am 22.12.71 als Weihnachtsgeschenk einen Ablehnungsbescheid erteilen. Auch unser Widerspruch vom Januar 1972 wird erst nach zehn Monaten ablehnend beschieden. Da blieb nur die Klage vor den Verwaltungsgericht in Schleswig vom 5.11.72, um vielleicht doch noch die Baugenehmigung zu erhalten.

Vor der Entscheidung des Verwaltungsgerichts um Dezember 1973 fand im April 1973 eine Ortsbesichtigung des Gerichts auf dem Zeltlagerplatz in Nieblum statt. Von diesem Termin gibt es ein Protokoll des Gerichts, in dem eine für die damalige Situation typische Aussage des derzeitigen Bürgermeisters Broder Jensen festgehalten ist. Es heißt dort:

"Nach Angaben von Bürgermeister Jensen ist es der Wunsch der Gemeinde Nieblum, daß das Jugendzeltlager an dieser Stelle nicht mehr betrieben wird und daß die vorhandenen Gebäude verschwinden ".

Das Gericht hat diesem Wunsch nicht entsprochen. Nach einer lebhaften Verhandlung am 10.12.1973 in Schleswig, bei der wir auf ein geplantes erstes Stockwerk verzichteten, hat das Gericht ein Urteil gefällt, das uns den Bau der Mehrzweckhalle möglich machte.

Die Ausschreibung war vorbereitet, nach Abschluß der Belegung konnten die Arbeiten beginnen. Schon im Oktober 1974 war Grundsteinlegung und ein Jahr später Richtfest. Mitte Juli 1976 konnten wir die Halle in Betrieb nehmen.

Der zweite Bauabschnitt, die Mehrzweckhalle, hat alle Eigenmittel in Anspruch genommen, das Festgeldkonto war klein geworden, aber die vielen Aufgaben, die nicht aufzuschieben waren, kosteten Geld.

Mehrzweckhalle

Dank der Ölkrise 1974 gingen die Preise hoch, sparen war angesagt. Die Lieferanten für Propangas machten gute Angebote. Umstellung von Heizöl auf Propangas war eine sinnvolle Maßnahme, weil eine Umstellung den Heizöltank im Keller überflüssig machte und eine auch lange geplante Einrichtung von Kühl- und Tiefkühlanlagen möglich war. Das ist alles schnell zu Papier gebracht, war aber mit viel Arbeit und Geld verbunden. Wenig später hat der Heizkessel nicht mehr mitgemacht und auch die Kochkessel mußten ersetzt werden. Das wurde alles in den drei Jahren nach dem Bau der Halle durchgezogen, zum Teil mit der Hilfe öffentlicher Mittel; aus Eigenmitte]n war das nicht zu schaffen.

Mit der Zeit wurde der Engpaß in den sanitären Anlagen unangenehm. Das war das nächste Objekt. Eine neue Dusche, ein Waschraum und zehn Toiletten wurden gebaut. Richtfest vom Waschhaus Gleichzeitig wurde die Abwaschanlage erweitert und modernisiert. Die Beleger waren uns dankbar.

Mit dem Anbau am Toilettenhaus wurden auch alle Anlagen überholt und mit neuen Türen versehen. Es fehlte nur ein Wetterschutz, eine Überdachung vor dem Haus. Das war nicht nur Wetterschutz für die Beleger, sondern auch ein Schutz für die neuen Türen, und es ist ein gutes Bild, das Haus anzusehen.

Unsere Hoffnung, nun mit allen Änderungen und Verbesserungen durch zu sein, ging nicht auf. In den Jahren 1984 bis 1985 gab es die große Überraschung vom Zeltgerätelager der Behörde. Seit 1946 war es möglich, für das Zeltlager Material zu mieten. Jedes Jahr die Beladung in Osdorf und das Ausladen in Nieblum, eine starke Belastung, aber von den Kosten tragbar. Die jährliche Miete der Zelte und des Zubehörs machte ca. 3.000 DM, der Transport lag bei der gleichen Summe. Diese Beträge waren fester Bestandteil der Kalkulation.

Der Hamburger Rechnungshof hatte angeregt, alle Kosten des Zeltgerätelagers auf die Mietgebühr umzulegen. Unsere Rechnung stieg um das Zehnfache auf 30.000 DM. Alle Versuche, eine geringere Berechnung zu bekommen, wurden abgewiesen.

Was war zu tun? 30.000 DM Zeltmiete, dafür konnten zehn Zelte neu beschafft werden. Die Argumente für einen eigenen Zeltbestand wurden sorgsam geprüft. Nicht mehr nötig wären die Transportkosten, dafür müßte das Zeltmaterial am Platz gepflegt werden. Dann wurden die Kosten mit 255.000 DM berechnet. Lange und gründlich wurde beraten, die finanziellen Mittel lagen bereit. Der Beschluß Ende 1985: Es werden 75 Doppelzelte und 12 Großzelte für einen eigenen Zeltbestand bestellt.

Die Belegung 1986 konnte kommen, die neuen Zelte lagen bereit. Diese Entscheidung hat sich als gut erwiesen, wenn auch das Material sehr gepflegt werden mußte. Wieder war der Umbau des Küchengebäudes zurückgestellt, das Eigengeld war alle.

In der Belegung machte sich bald ein deutlicher Wandel bemerkbar. Immer häufiger wurde der Wunsch nach Selbstversorgung auch für kleinere Gruppen bemerkbar. Die Debatte um eine zweite Küche für die Selbstversorger war da. Aber wie und wo und wer kann das bezahlen. Wir mußten, um eine gute Belegung zu erhalten, die Selbstkocherküche bauen, und wenn, dann mit guter Ausstattung.

Jetzt waren wir finanziell wieder ganz unten. Da kam das Gerücht auf, die Insel Föhr soll mit Erdgas versorgt werden. Dieses Gerücht wurde bald durch das Unternehmen Schleswag bestätigt. Sofort hat der Verein sein Interesse an der Versorgung mit Erdgas angemeldet. Der Betrieb war billiger, wir brauchten nicht mehr um rechtzeitigen Nachschub besorgt zu sein, und wir wurden die beiden großen Transportbehälter los. die einem Umbau im Weg standen.

Die ganze Zeitrechnung für die Planung des neuen Hauses war vom Termin mit der Versorgung mit Erdgas bestimmt. In den Plänen der Schleswag war Nieblum und damit der Zeltlagerplatz fast Schlußlicht für den Anschluß an das Erdgasnetz.

Im Sommer 1996 waren die Propangasbehälter nicht mehr notwendig. Die alten Pläne für den Umbau des Hauses konnten Wirklichkeit werden. Ein besonderer Umstand drängte zur Eile. Die Dachkonstruktion des Küchengebäudes war nicht mehr reparabel. Alle Maßnahmen für das neue Haus wurden getroffen, die Baupläne mußten vorlagereif für das Bauamt gemacht werden. Die Anträge für die Finanzierung aus den Mitteln der Jugendbriefmarke und die Mittel aus Hamburg beantragt werden. Schon am 11. April 1997 konnte das Richtfest stattfinden. Ein stürmischer Tag, die Hamburger Gäste konnten nicht pünktlich sein. Die Fähre mit dem Gästebus konnte nicht an den Anleger in Wyk. So begann die Richtfeier ohne die Gäste aus Hamburg; für sie wurde der Richtspruch später in der Mehrzweckhalle nachgeholt, das ist sicher einmalig.

Jetzt steht das Haus als vorbildliche Anlage für einen Zeltlagerplatz zur Freude aller ehrenamtlichen Mitarbeiter, die dort wirken dürfen

Das große "Danke schön" gilt allen Kräften, die in irgendeiner Form ihren Beitrag geleistet haben, den Planern, den Bauleuten, den Stellen, die die Finanzierung möglich machten, allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und der Führung des Zeltlagervereins "unsere welt", der mit dem Platz dem sozialistischen Jugendverband ein großes Geschenk gemacht hat.

Zeltlagerplatz